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Patchworkstricken Grundlagen Teil 1

  • Writer: HP Annette Di Fausto
    HP Annette Di Fausto
  • Jan 5
  • 3 min read

In unserer Patchwork-Strick-Challenge haben wir eines sehr deutlich gesehen:

Selbst wenn alle dieselbe Anleitung stricken, sehen die Ergebnisse am Ende ganz unterschiedlich aus.

Das liegt nicht daran, dass jemand „richtig“ oder „falsch“ gestrickt hat – sondern daran, dass unterschiedliche Garne und unterschiedliche Nadelstärken zum Einsatz kamen.



Manche Stücke wirkten weich und fließend, andere kompakt und strukturiert. Einige Patches waren größer, andere kleiner, obwohl sie nach denselben Maschenzahlen gearbeitet wurden.

Gerade beim Patchworkstricken spielt dieses Zusammenspiel eine zentrale Rolle.


Denn hier treffen verschiedene Garne, Muster und Strickstücke direkt aufeinander. Wenn Garnstärke und Nadelwahl nicht zueinander passen, lassen sich die Teile später nur schwer verbinden – oder das Gesamtwerk wirkt unruhig und unausgeglichen.


Deshalb möchte ich euch in dieser Beitragsreihe die Grundlagen des Patchworkstrickens zeigen.


Nicht theoretisch, sondern so, wie wir sie in der Praxis wirklich brauchen: als Orientierung, als Entscheidungshilfe und als Einladung, das eigene Strickgefühl besser kennenzulernen.

Teil 1 beginnt bei einer ganz grundlegenden Frage:


Wie erkenne ich die Strickeigenschaften eines Garns?


Wer mit Resten strickt, handgefärbte Garne liebt oder beim Patchworkstricken unterschiedliche Qualitäten kombiniert, kennt das Problem:


Wie dick ist dieses Garn eigentlich – und wofür eignet es sich?


Zum Glück gibt es einfache Methoden, mit denen sich die wichtigsten Strickeigenschaften eines Garns zuverlässig bestimmen lassen.


Eine der bekanntesten ist die sogenannte Wickelmethode (WPI) – und die lässt sich sehr gut in Zentimetern anwenden.


1. Die Wickelmethode (WPI) – verständlich erklärt in Zentimetern

WPI steht für Wraps per Inch, also „Wicklungen pro Zoll“. Da wir hier meist mit Zentimetern arbeiten, rechnen wir das einfach um.

So funktioniert die Methode Schritt für Schritt:

Du brauchst:

  • ein Lineal oder Maßband

  • einen runden Stab (Bleistift, Stricknadel, Häkelnadel)

  • das zu prüfende Garn



So gehst du vor:

  1. Wickle das Garn locker und ohne Zug nebeneinander um den Stab.

    Wichtig: Nicht überlappen und nicht stramm ziehen.

  2. Miss nun 2,5 cm (das entspricht ziemlich genau 1 Inch).

  3. Zähle, wie viele Wicklungen innerhalb dieser 2,5 cm liegen.

Alternativ kannst du auch 1 cm messen und später hochrechnen.

Was bedeuten die gemessenen Wicklungen?






Wickelmethode (WPI) – Übersicht mit Nadelstärken

(Angaben sind Richtwerte für „normales“ Maschenbild, nicht dogmatisch)

Wicklungen auf 2,5 cm

Wicklungen pro cm

Garnstärke (ca.)

Empfohlene Nadelstärke

6–8

2,5–3

sehr dick (Bulky)

6 – 8 mm

9–11

3,5–4,5

dick (Aran / Worsted)

4,5 – 5,5 mm

12–14

5–5,5

mittel (DK)

3,5 – 4,5 mm

15–18

6–7

fein (Sport / Fingering)

2,5 – 3,5 mm

19–22

7,5–9

sehr fein (Sock / Lace)

2 – 2,5 mm

Wichtig für die Praxis:

  • Diese Nadelstärken sind Startpunkte, keine Vorschriften.

  • Für Patchwork, Kunst- und Therapiestricken darf (und soll) davon bewusst abgewichen werden:

    • größere Nadeln → weicher, fließender, meditativer

    • kleinere Nadeln → kompakter, strukturierter, stabiler

Gerade beim Kombinieren unterschiedlicher Garne hilft die Tabelle, Unterschiede sichtbar zu machen, bevor man sie auf der Nadel spürt.

 

Was sagt dir das konkret?

  • Viele Wicklungen auf wenig Platz → feines Garn

  • Wenige Wicklungen → dickes, voluminöses Garn

  • Du bekommst einen guten Anhaltspunkt für:

    • passende Nadelstärke

    • Kombinierbarkeit mit anderen Garnen

    • Eignung für dein Projekt

Gerade beim Patchworkstricken ist das entscheidend, damit die einzelnen Teile später gut zusammenpassen.


2. Warum „locker wickeln“ so wichtig ist

Ein häufiger Fehler ist, das Garn zu fest um den Stab zu ziehen.Dann wirkt es dünner, als es sich beim Stricken tatsächlich verhält.

Merksatz: Wickeln wie das Garn später auf der Nadel liegt – nicht wie ein Knoten.


3. Was die Wickelmethode nicht zeigt

WPI sagt viel über die Dicke, aber nichts über:

  • Elastizität

  • Griff (weich, fest, fließend)

  • Verhalten nach dem Waschen

Deshalb ist sie ein erster Schritt, kein vollständiger Ersatz für eine Maschenprobe.


4. Mein Tipp aus der Praxis

Ich nutze die Wickelmethode besonders gern:

  • bei Garnresten

  • bei geschenkten oder geerbten Wollschätzen

  • vor Patchwork- und Kombiprojekten

Danach stricke ich ein kleines Probestück und entscheide erst dann über Muster und Nadelstärke.


Fortsetzung folgt

Im nächsten Teil zeige ich:

  • wie du mit 1 kleinen Probestück viel über ein Garn lernst

  • woran du Elastizität und Rücksprung erkennst

  • warum manche Garne sich perfekt fürs meditative Stricken eignen – und andere für klare Strukturen

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