Ein Mittel – Ein Patch: Arnica
- HP Annette Di Fausto

- 20. Apr.
- 5 Min. Lesezeit
Ein neues Textilprojekt zwischen Homöopathie, Pflanzenwissen und Stricken
Heute beginnt ein neues Projekt. Vielleicht erinnert ihr euch: Vor einiger Zeit habe ich bereits einen Wandbehang zu homöopathischen Tiermitteln gestaltet. Dieses ältere Werk hängt heute in meiner Heilpraktikerpraxis und Kreativpraxis und vereint verschiedene Mittel, verschiedene textile Techniken und ganz unterschiedliche gestalterische Herangehensweisen.
Genau an dieser Stelle knüpft mein neues Projekt an – aber diesmal geht es um homöopathische Pflanzenmittel.
Die Idee ist einfach und zugleich sehr besonders:
Jede Woche entsteht ein neues textiles Bild einer Pflanze. Mal gestrickt, mal gehäkelt, mal mit Filz oder Stickerei ergänzt. So wächst nach und nach ein neues Ganzes – ein Patchwork, ein Wandbehang, vielleicht auch ein textile Art von Materia medica.
Wir beginnen mit Arnica montana, der Bergwohlverleih.
Arnica als erstes Patch
Arnica ist eine Pflanze, die sowohl in der Homöopathie als auch in der Pflanzenheilkunde eine große Rolle spielt. In der Homöopathie denken wir natürlich sofort an Themen wie:
Kontusion und Verletzung
Folgen von Stoß, Fall oder Schlag
Berührungsempfindlichkeit
Angst vor Berührung
Überanstrengung und Erschöpfung nach Belastung
Für mich ist Arnica deshalb ein sehr passender Auftakt für dieses Projekt. Diese Pflanze ist bekannt, charakterstark und zugleich auch bildlich sehr dankbar. Die leuchtend gelbe Blüte mit ihren etwas zerzausten Blütenblättern hat sofort eine eigene Sprache.
Und genau dieses etwas Ungebändigte, Zerzauste, Verletzte wollte ich im Strickbild sichtbar machen.
Das Arnica-Bild: Jacquard, Intarsien und kreatives Abweichen
Das erste Patch habe ich im Jacquard-Intarsienstrick gearbeitet. Verwendet habe ich vor allem Garne von Schoppel, insbesondere Señor und Señorita, also 100 % Merinowolle in einer sehr schönen, kreativen Farbpalette. Für die Umrandung kamen außerdem unter anderem Admiral und auch ein Zauberball zum Einsatz.
Die Vorlage beruht auf einem Zählmuster, das ich allerdings nicht starr übernommen habe. Und das ist mir wichtig:
Ein solches Muster darf und soll ruhig auch abgewandelt werden. Auch ich habe Veränderungen vorgenommen. Gerade dadurch wird das Ganze lebendig und individuell.
Wenn einmal ein kleiner „Fehler“ entsteht, ist das in diesem Zusammenhang gar nicht schlimm. Im Gegenteil: Bei einer Pflanze wie Arnica, die selbst nicht geschniegelt und geschniegelt aussieht, sondern eher ein wenig zerzaust, passt gerade diese Freiheit sehr gut.
Größe und technische Grundlage
Für das Mittelbild selbst habe ich mit einer Maschenprobe gearbeitet, die so angelegt war, dass das Motiv quadratisch herauskommt.
Die Grundlage war:
60 Maschen Breite
84 Reihen Höhe
Nadelstärke 3
Ich habe also so gerechnet, dass auf 10 Maschen ungefähr 14 Reihen kommen, damit das spätere Mittelbild ein Quadrat ergibt. Das eigentliche Pflanzenmotiv wurde dann in dieses Format übersetzt.
Beim Stricken des Motivs konnte ich die Fäden teilweise direkt mitführen, teilweise habe ich sie auch hinterher vernäht. Beides ist möglich – da darf jede und jeder den eigenen Arbeitsstil finden.
Die Umrandung: kraus rechts und dann ein Richtungswechsel
Nachdem das Mittelbild fertig war, habe ich die Randgestaltung begonnen. Dazu habe ich die oberen Maschen zunächst auf der Nadel gelassen und aus den übrigen Seiten jeweils ebenfalls 60 Maschen aufgenommen – oben, unten und seitlich.
Dann habe ich rundherum zunächst vier Reihen kraus rechts gestrickt und an den Ecken über Umschläge zugenommen, damit der Rand sich erweitert. Die Zunahmen erfolgten in den Hinreihen jeweils vor und nach der Eckmasche.
Danach kam ein Wechsel in der Strickrichtung:
Ich habe in einem anderen Verlauf weitergestrickt, jeweils in kleinen kraus rechten Reihen, und dabei die letzte Masche mit einer der offenen Randmaschen zusammengestrickt. Auf diese Weise entsteht ein lebendiger, textiler Rahmen, der das Bild nicht einfach nur umschließt, sondern selbst Teil der Gestaltung wird.
Gerade in den Ecken wird es dann interessant: Dort habe ich mit verkürzten Reihen gearbeitet, um die Form sauber auszubauen und den Rand gleichmäßig größer werden zu lassen. Das ist ein Thema für sich, und ich werde dazu auch noch ein eigenes Video bzw. eine genauere Erklärung machen, denn verkürzte Reihen an Ecken sind ausgesprochen nützlich und lassen sich in vielen Projekten einsetzen.
Warum gerade Arnica auch farblich so gut funktioniert
Bei diesem Patch war mir nicht nur die Form der Pflanze wichtig, sondern auch ihre farbliche Bedeutung.
Die gelben und goldenen Töne stehen natürlich zunächst für die Blüte selbst, aber auch für die Leuchtkraft und Heilkraft dieser Pflanze. Der blaue Hintergrund und der blaue Rand haben für mich etwas von Heilung, Beruhigung und Halten.
So treffen im Bild Verletzung und Heilung aufeinander.
Auch das passt wunderbar zu Arnica:einerseits das Thema Trauma, Stoß, Wundheit, andererseits die Fähigkeit, auf Heilung, Rückbildung und Regeneration hinzuwirken.
Arnica in Homöopathie und Phytotherapie
Arnica gehört zu den Asteraceae, den Korbblütlern. In dieser Pflanzenfamilie begegnen uns immer wieder Themen wie:
Verletzung
Entzündung
Infektion
Überanstrengung
Immunreaktion
In der Phytotherapie enthält Arnica unter anderem:
ätherische Öle
Flavonoide
Bitterstoffe
Cumarine
Daraus ergeben sich Wirkungen, die traditionell beschrieben werden als:
entzündungshemmend
antiseptisch
wundheilungsfördernd
antiödematös
schmerzlindernd
Gerade bei Kontusionen, schlecht heilenden Wunden, Schwellungen und entzündlichen Prozessen spielt Arnica in der Pflanzenheilkunde eine wichtige Rolle. Gleichzeitig ist aber Vorsicht nötig: Arnica kann unverdünnt auf Haut und Schleimhäuten reizend wirken, und bei bestehender Korbblütler-Allergie ist phytotherapeutisch Zurückhaltung geboten.
Auch das gehört zu einem verantwortungsvollen Blick auf Heilpflanzen: ihre Kraft zu würdigen, aber auch ihre Grenzen zu kennen.
Arnica als gut geprüfte homöopathische Arznei
Homöopathisch ist Arnica eine sehr gut dokumentierte Arznei. Sie wurde bereits von Hahnemann geprüft und später von weiteren Prüfern ergänzt. Dazu kommt ein großer klinischer Erfahrungsschatz und eine lange volksheilkundliche Tradition.
Das macht Arnica zu einer jener Arzneien, bei denen vieles zusammenkommt:
Arzneimittelprüfung
klinische Erfahrung
volksheilkundische Anwendung
klare charakteristische Thematik
Auch deshalb eignet sie sich so gut als erstes Mittel dieser neuen Reihe.
Textile Vielfalt gehört zum Projekt dazu
Ein wichtiger Gedanke dieses Projekts ist:
Nicht jedes Bild wird auf die gleiche Weise entstehen.
Wie schon bei meinem älteren Wandbehang zu den Tiermitteln möchte ich auch hier ganz bewusst unterschiedliche textile Techniken einsetzen. Mal wird mehr gestrickt, mal mehr gehäkelt, mal ergänzt durch Filz oder Stickerei. Das Material und das Motiv sollen mitentscheiden, welche Bearbeitung am besten passt.
Beim Arnica-Patch habe ich mit Jacquard und Intarsien begonnen. Bei anderen Pflanzen wird das vielleicht ganz anders aussehen.
Gerade das macht für mich den Reiz aus:
Nicht nur Mittel darzustellen, sondern auch für jedes Mittel eine eigene textile Sprache zu finden.
Wer möchte, kann gern mitmachen
Zu jedem Mittel werde ich nach und nach etwas zeigen:ein Bild, eine textile Umsetzung, Gedanken zur Pflanze, Hinweise aus Homöopathie und Phytotherapie.
Wer Lust hat, darf natürlich sehr gern mitarbeiten, mitstricken, mitdenken und eigene Varianten entwickeln. Ich freue mich darüber sehr.
Aber diesmal ist es keine Challenge.
Es geht nicht darum, in einem bestimmten Zeitraum etwas fertig zu bekommen. Es geht eher darum, ein Projekt wachsen zu lassen – in Ruhe, Woche für Woche, Pflanze für Pflanze.
Nächsten Montag geht es weiter
Arnica ist also der Anfang.
Nächsten Montag stelle ich das nächste Mittel vor. Und so wird aus einzelnen Patches nach und nach ein größeres Ganzes entstehen – ein textiler Pflanzenzyklus zwischen Handarbeit, Heilpflanzenkunde und homöopathischem Denken.
Ich freue mich sehr, wenn ihr mich dabei begleitet.



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