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Drosera in Patchwork stricken

  • Autorenbild: HP Annette Di Fausto
    HP Annette Di Fausto
  • 22. Mai
  • 2 Min. Lesezeit

Wenn ein Sonnentau aus Wolle wächst


Manchmal entstehen die schönsten Stücke nicht nach einem festen Plan, sondern während des Machens.


Genau das ist bei meinem neuen Patch passiert: Drosera – der Sonnentau.


Der Sonnentau ist eine faszinierende Pflanze – geheimnisvoll, empfindlich, heilkräftig und gleichzeitig räuberisch. Und genau diese besondere Stimmung wollte ich in mein textiles Pflanzenprojekt hineinweben.



Vom ersten Maschenanschlag bis zur fertigen Pflanze

Das neue Stück wurde direkt an die bestehende Patchworkfläche angestrickt. Dafür habe ich zunächst an 2 Seiten des vorhandene Quadrats Maschen aufgenommen und durch gezielte Abnahmen einen neuen Rahmen geschaffen.


Besonders spannend war diesmal die Formgebung:

  • auf einer Seite wurden jeweils nur einzelne Maschen aufgenommen,

  • auf der anderen Seite teilweise zwei oder sogar drei Maschen gleichzeitig,

  • wodurch die Fläche schräg anwuchs und sich organisch entwickelte


Genau dieses freie Arbeiten liebe ich am Patchworkstricken. Während des Strickens entsteht plötzlich eine neue Idee, eine andere Linienführung oder eine zusätzliche Struktur. Das Projekt entwickelt sich beinahe wie eine Pflanze selbst.


Kreativität statt Perfektion

Nicht alles verlief geometrisch perfekt. Das Quadrat wurde zwischendurch etwas zu weit. Aber gerade darin liegt für mich der Reiz dieser Technik.

Anstatt das Stück aufzuribbeln, habe ich kreativ darauf reagiert:

  • beim Aufsticken der Pflanzenstrukturen wurde die Fläche leicht zusammengezogen,

  • anschließend wurde alles umhäkelt,

  • wodurch sich das Stück wieder harmonisch in das Gesamtbild eingefügt hat.


Kreative Prozesse dürfen lebendig sein.

Fehler sind oft nur Richtungsänderungen.



Intarsien, Stickerei und gehäkelte Pflanzenteile

Der Sonnentau entstand aus mehreren Techniken gleichzeitig:

  • Intarsienstrick für die Grundflächen,

  • gehäkelte Spiralen und Stiele,

  • aufgenähte Blätter,

  • Stickerei für die roten Tentakel,

  • sowie kleine Knötchenstiche für die typischen glitzernden Fangtröpfchen des Sonnentaus.

Gerade diese Kombination verschiedener textile Techniken macht das Stück so lebendig. Der Sonnentau wirkt dadurch fast dreidimensional.


Die Magie der Farbverläufe

Verwendet habe ich diesmal wieder Garne von Schoppel:

  • Señorita auf weißer Basis gefärbt,

  • Señor auf grauer Basis.

Besonders schön finde ich, wie unterschiedlich dieselben Farben wirken, je nachdem auf welcher Wollbasis sie gefärbt wurden. Dadurch entstehen Tiefe, Licht und Bewegung – ganz ohne zusätzliches Muster.

Diese Farbwechsel erinnern mich fast an Moorlandschaften, in denen der Sonnentau wächst.


Drosera – die Pflanze hinter dem Patch

Der Sonnentau ist nicht nur optisch faszinierend, sondern auch eine bedeutende Heilpflanze.

Historisch wurde Drosera eingesetzt:

  • bei Lungenkrankheiten,

  • krampfartigen Hustenanfällen,

  • Keuchhusten,

  • Asthma,

  • und sogar während der Pestzeiten.


Die Pflanze wächst bevorzugt im Moor und ist heute bei uns stark geschützt. Ihre Nährstoffe gewinnt sie nicht aus dem Boden, sondern aus den Insekten, die sie mit ihren klebrigen Fangarmen einfängt.

Auch phytotherapeutisch ist Drosera hochinteressant:

  • broncholytisch,

  • entzündungshemmend,

  • antibakteriell,

  • teilweise sogar wirksam gegen MRSA und Candida albicans.


Drosera in der Homöopathie

Homöopathisch gehört Drosera zu den wichtigsten Mitteln bei:

  • krampfartigem Husten,

  • Keuchhusten,

  • Husten mit Würgereiz und Erbrechen,

  • nächtlichem Husten,

  • Husten schlimmer beim Hinlegen,

  • tiefem Kitzeln im Kehlkopf.

Sehr spannend finde ich außerdem die psychische Seite des Mittels:

  • starke Ängstlichkeit,

  • Gefühl drohenden Unheils,

  • innere Unsicherheit,

  • Misstrauen,

  • und das Bedürfnis nach Sicherheit durch vertraute Menschen.


Von der Wandarbeit zum Kimono?

Inzwischen wachsen diese Pflanzenquadrate immer stärker zu einem Gesamtwerk zusammen. Während ich das neue Drosera-Stück betrachtete, kam plötzlich ein neuer Gedanke:

Vielleicht wird daraus irgendwann gar keine Decke mehr – sondern ein textiler Pflanzenkimono.

Ein Kleidungsstück aus Heilpflanzen.

Aus Wolle, Farbe, Symbolik und Geschichten.

Und ehrlich gesagt:

Der Gedanke gefällt mir immer besser.


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